Ruch Finanzberatung

Gesellschaft für private Finanzplanung

Arbeitsunfall: schnelle Meldung und Beweissicherung

Wer in einem festen Arbeitsverhältnis steht, genießt bei einem Arbeitsunfall einen umfassenden Versicherungsschutz. Er ist jedoch – gemeinsam mit dem Arbeitgeber – verpflichtet, den Vorfall rasch den zuständigen Stellen zu melden. Was ein Unfall ist, hat der Gesetzgeber klar definiert: „Unfälle sind zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen.“ Auf diese Weise ist zum Beispiel auch der Weg von und zur Arbeit versichert – wenn er nicht für private Zwecke unterbrochen wird. Aber auch davon gibt es Ausnahmen: Wer auf dem Weg von der und zur Arbeit seine Kinder in Kita oder Schule bringt und dabei einen Schaden erleidet, hat einen Arbeitsunfall. Liegt eine Mitschuld vor, zum Beispiel wegen Alkoholkonsums, entscheiden die Gerichte, wie weitgehend dies zu berücksichtigen ist.

Welche Informationen sind wichtig?

Nach einem Arbeitsunfall tritt die gesetzliche Unfallversicherung in Aktion, deswegen muss innerhalb von drei Tagen der zuständigen Berufsgenossenschaft die Meldung von dem Schadensfall vorliegen. Für die Meldung ist der Arbeitgeber zuständig, falls der Arbeitnehmer länger als drei Tage ausfällt. Es empfiehlt sich für den verunglückten Arbeitnehmer der Besuch eines Durchgangsarztes – es kann auch der Hausarzt sein. Beide sollten wissen, dass es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Hat der Arbeitnehmer größere Verletzungen erlitten, die ihn möglicherweise ganz oder teilweise erwerbsunfähig machen, geht es um hohe Summen. Kommt es zu einem Streit um den Versicherungsfall und die Gewährleistung von Leistungen, müssen alle Fakten schnell und umfassend vorliegen. Ein möglicher, späterer Nachbesserungsantrag ist in der Regel wenig erfolgsversprechend. Daher sind eine korrekte Schilderung des Unfallhergangs, die Beweissicherung und mögliche Zeugenaussagen von großer Bedeutung für die spätere Regulierung von Schäden. Dies ist auch wichtig, falls die Folgen des Unfalls sich als schwerer erweisen, als von dem Arbeitnehmer anfangs eingeschätzt. Übrigens: Auch, wenn der Arbeitnehmer gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen hat, ist ein Versicherungsschutz nicht ausgeschlossen. Unter gar keinen Umständen darf die Unfallmeldung versäumt werden, weil der Arbeitgeber Druck ausübt. Der Grund dafür ist möglicherweise, dass er allein die Prämien für die Unfallversicherung bezahlt, deren Höhe unter anderem von den Gefahren der Branche und des Berufsfeldes abhängen.

Übrigens: Auch für den „normalen“ Berufsalltag ist es empfehlenswert, mit entsprechenden Absperrungen und Markierungen den Unfallort zu sichern bzw. abzusperren – so können weitere Verletzungen vermieden und der eigentliche Hergang besser rekonstruiert werden, was gerade bei der Beweissicherung und für die Versicherungen von großer Bedeutung ist.

Welche Leistungen sind abgesichert?

Sind alle Voraussetzungen für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls erfüllt, wird die maximal sechs Wochen dauernde Lohnfortzahlung des Arbeitgebers nicht benötigt. Das Verletztengeld der Unfallkasse oder der Berufsgenossenschaft tritt vom ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit an in Kraft. Es liegt höher als das Krankengeld der Krankenkasse und deckt auch Zuzahlungen bei Ärzten und Apotheken ab. Die Versicherungsträger übernehmen alle Behandlungskosten wie die für mögliche Kuren, Rehabilitation und Hilfsmittel wie Rollstuhl. Auch für Wiedereingliederungsmaßnahmen oder den behindertengerechten Ausbau der Wohnung entstehende Kosten gehen an diese Adressen. Generell gilt, dass die Versorgung durch die Berufsgenossenschaft besser ist als durch die Krankenkasse, die nur „ausreichend“ absichert. Sind die Unfallfolgen so schwerwiegend, dass eine Teilnahme am Arbeitsleben nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich ist, kommt der Rentenversicherungsträger mit ins Boot. Trotz aller staatlichen Absicherungen empfiehlt sich dennoch private Vorsorge, vielleicht eine kapitalbildende Lebensversicherung. Sie sichert bei Einkommensverlusten durch Teil- oder Frühverrentung zum Beispiel die Kreditbedienung für das noch nicht komplett bezahlte Wohneigentum.

Hoffen wir, dass Sie die Leistungen aus dieser Versicherung nie nutzen müssen.

Ihr
Wolfgang Ruch

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