Ruch Finanzberatung

Gesellschaft für private Finanzplanung

Die private Finanzplanung verhindert die Überschuldung

„Schulden können sich nur Reiche leisten“ – dieser Ausspruch von Kurt Haberstich mag heute immer noch Bedeutung haben. Da Kredite in den letzten 30 Jahren jedoch auch hierzulande immer selbstverständlicher wurden, verwundert es nicht, dass auch die Gefahr der Überschuldung gestiegen ist. Laut dem Schuldenatlas von Creditreform von Ende 2016 waren zum Stichtag des 1. Oktober 2016 6,8 Millionen Bürger in Deutschland überschuldet oder wiesen zumindest nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Doch wie lässt sich Überschuldung vermeiden und welche Strategien sind dabei erfolgreich?

Die eigenen Finanzen sind für viele Menschen ein Thema, welches ihnen regelmäßig Sorgen bereitet. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, die finanziellen Nöte erheblich zu lindern, ohne dafür selbst Geld ausgeben zu müssen. Eine solide private Finanzplanung ist dabei der Schlüssel für ein finanziell wesentlich weniger sorgenvolles Leben. Doch wie sieht diese aus und welche Maßnahmen sind dafür erforderlich?

Was zeichnet die private Finanzplanung aus?
Für eine gute Finanzplanung ist es unbedingt erforderlich, dass Betroffene zunächst einen Überblick über ihre finanzielle Situation erhalten. Zu diesem Zweck müssen alle Einnahmen und Ausgaben übersichtlich festgehalten werden. In einem ersten Schritt müssen dafür die Einnahmen und die fixen Ausgaben ermittelt werden. Fixe Ausgaben sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in ihrer Höhe nur schwer beeinflusst werden können. So sieht eine entsprechende Kostenermittlung aus:

Einnahmen
Monatliche Einkünfte (Einkommen, Mieteinnahmen)
Weitere regelmäßige Einkünfte (Zinseinnahmen, andere Kapitaleinkünfte)
abzüglich (-)
Fixe Ausgaben
Mietkosten
Nebenkosten
Abschlag für Stromanbieter
Rechnungen für Telekommunikation (Festnetz, Internet, Handy)
Versicherungsbeiträge (Z.B. Haftpflicht, Kfz, Hausrat, Rechtsschutz, Lebensversicherung, BU)
Kreditraten (z.B. Konsumkredite, Dispo-Abzahlung, Bildungskredit, Autokredit)
ergibt (=)
Verbrauchsbudget

Die Ermittlung des finanziellen Verbrauchsbudgets pro Monat gibt bereits Aufschluss darüber, wie groß die persönliche finanzielle Schieflage bereits ausfällt. So lässt sich beispielsweise herausfinden, dass die fixen Kosten in Bezug auf die Einkünfte viel zu hoch ausfallen und ein Auskommen mit dem Verbrauchsbudget eventuell kaum möglich ist.

Was ist ein Haushaltsbuch?

Neben den fixen Kosten gibt es jedoch auch noch variable Kosten, die durch den alltäglichen Konsum anfallen. Sie sind in ihrer Höhe nicht klar festgelegt, weil sie davon abhängen, was letztlich eingekauft wird. Zu diesen Kosten gehören beispielsweise:

– Ausgaben für Lebensmittel
– Ausgaben für Hygieneartikel und Putzmittel
– Ausgaben für Genussmittel
– Ausgaben für Freizeitaktivitäten

In einem Haushaltsbuch werden die Ausgaben des täglichen Lebens genau notiert, um am Ende des Monats genau checken zu können, wofür wie viel Geld bezahlt wurde. Auf Basis dieser Informationen lässt sich die Finanzplanung vorantreiben.

Ansatzpunkte bei den Fixkosten – Sparpotenziale ausnutzen

Neben der Senkung der Konsumausgaben sind auch Senkungen der Fixkosten ein guter Ansatzpunkt, um die eigene finanzielle Situation zu verbessern. Dazu gehören unter anderem folgende Maßnahmen:

1. Strom- und Gasanbieteranbieter checken
Die Stromkosten sind keinesfalls so fix, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. So lässt sich durch den Wechsel vom jeweiligen Grundversorger zu einem günstigen Stromanbieter mitunter viel Geld sparen. Hierbei sollten Verbraucher auf folgende Punkte achten:

– Keine hohen Vorauszahlungen leisten (bei Anbieterinsolvenz ist das Geld weg)
– Bei Pakettarifen genau hinschauen
– Preisgarantien sollten 12 Monate betragen
– Laufzeit sollte 12 Monate nicht überschreiten
– Faire Kündigungsfristen (am besten nur 1 Monat)

Auch hier gibt es verschiedene Vergleichsrechner für Stromanbieter und Gasanbieter.

2. Versicherungen optimieren
In Bezug auf das Versicherungsportfolio sollten sich Betroffene verschiedene Fragen stellen:
– Welche Versicherungen brauche ich wirklich?
– Lassen sich einige Policen komplett kündigen?
– Nutze ich bereits die optimalen Tarife für meine wichtigen Policen?
Diesbezüglich ist es zudem auch sehr interessant, durch Versicherungsvergleiche besonders günstige Anbieter zu finden. Mitunter lassen sich so auch die Fixkosten im Versicherungsbereich deutlich absenken.

3. Kredite umschulden
Auch Kreditzahlungen lassen sich senken, denn immer mehr Anbieter stellen heute kostenfreie Sondertilgungen oder gar eine komplett kostenfreie Kreditablösung zur Verfügung. Wer durch einen Kreditvergleich einen besonders günstigen Kredit findet, kann durch eine Ablösung mitunter viel Geld sparen. Es ist jedoch bei der Kreditaufnahme einiges zu bedenken, um die Situation am Ende nicht noch schlimmer zu machen.
Darüber hinaus lässt sich natürlich auch noch Geld im Bereich der Handy- und Internetverträge sparen. Wer hier das Optimierungspotenzial ausnutzt, senkt seine fixen Kosten mitunter deutlich.

Budgetierung der Konsumausgaben – ein wichtiger Schritt der Finanzplanung

Wer seine alltäglichen Ausgaben im Haushaltsbuch eingetragen hat, kann nach dem ersten Monat feststellen, wofür er wie viel Geld ausgibt. Das Konsumverhalten lässt sich daraufhin mit der finanziellen Situation vergleichen. Auf Basis dieser Informationen ist schnell ersichtlich, in welchen Bereichen am Ende gespart werden muss. Daraufhin lässt sich eine Budgetierung vornehmen, indem für die einzelnen Bereiche maximale Monatsbudgets festgelegt werden. Dies lässt sich entweder durch verschiedene Konten oder Portemonnaies festlegen:

– Zu Beginn des Monats oder jeder Woche wird beispielsweise der Geldbetrag des jeweiligen Budgets in den zugehörigen Geldbeutel gefüllt oder auf das Konto überwiesen.

– Nach jeder Ausgabe wird kontrolliert, wie viel Geld für den Rest des Zeitraums noch zur Verfügung steht.

Mittlerweile lässt sich die Budgetierung auch per App durchführen, was die Angelegenheit noch einmal einfacher macht. Ein umgekehrter Ansatz stellt die vorherige Bezahlung aller wichtigen Ausgaben (auch Schuldendienste und Sparbeträge) in den Mittelpunkt. Von dem übrigen Geld werden letztlich Konsumausgaben bezahlt.

Fazit:
Wenn die eigenen Ausgaben die Einnahmen regelmäßig überschreiten, kann die private Finanzplanung dabei helfen, das Budget wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Am Anfang aller Planung steht zunächst die Übersicht, so dass in einem ersten Schritt die fixen und variablen Kosten ermittelt werden müssen. Daraufhin lassen sich dann Anhaltspunkte für Einsparungen bei den fixen Kosten finden. Die variablen Konsumausgaben können im Rahmen der Budgetierung oder anderer Sparansätze leicht zurückgefahren werden. Auf diese Weise lässt sich eine Überschuldung zuverlässig verhindern und finanziell prekäre Situationen können überwunden werden. Wer jedoch bereits akut von einer Überschuldung bedroht ist, sollte unbedingt die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen.

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