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Hausrat – Warum Fotos manchmal wichtiger sind als ein Tresor

Als an Heiligabend 2021 Einbrecher in die Villa von Verona Pooth eindrangen und einen Tresor samt Schmuck entwendeten, war der mediale Schock groß. Noch größer wurde allerdings die Diskussion danach: Obwohl der Schmuck versichert war, stellte sich heraus, dass die tatsächlichen Werte offenbar deutlich höher lagen als die vereinbarte Versicherungssumme. Der Vorwurf der Unterversicherung stand im Raum.

Was auf den ersten Blick wie ein Promi-Fall wirkt, ist in Wahrheit ein Problem, das sich in ganz normalen Haushalten täglich findet.

Denn Unterversicherung entsteht selten durch böse Absicht. Sie entsteht schleichend. Über Jahre. Man kauft neue Möbel, ein hochwertiges E-Bike, moderne Technik, vielleicht eine teure Uhr oder Schmuckstücke. Die Einrichtung wird wertvoller, aber die Hausratversicherung bleibt oft unverändert bestehen. Irgendwann passt die Versicherungssumme nicht mehr zum tatsächlichen Wert des Hausrats.

Genau darin liegt das Risiko.

Viele Menschen glauben: „Ich habe doch eine Hausratversicherung.“ Das stimmt oft auch. Die entscheidende Frage lautet aber: Reicht der Versicherungsschutz heute überhaupt noch aus?

Gerade bei Wertgegenständen wird dieses Problem häufig unterschätzt. Schmuck, Luxusuhren, Sammlerstücke oder Goldbestände wachsen oft über Jahre an. Manche Dinge wurden geerbt, andere angeschafft, manches hat im Laufe der Zeit erheblich an Wert gewonnen. Gleichzeitig existieren oft weder aktuelle Wertlisten noch Rechnungen oder Fotos.

Und genau das wird im Schadenfall zum Problem.

Denn Versicherungen regulieren Schäden nicht auf Basis von Erinnerungen oder Schätzungen, sondern auf Grundlage von Verträgen, Nachweisen und dokumentierten Werten. Wer nach einem Einbruch erklären muss, was sich alles im Tresor befunden hat, merkt schnell, wie schwierig das ohne Unterlagen werden kann.

Deshalb sind Fotos manchmal tatsächlich wichtiger als ein Tresor.

Ein Tresor kann Wertgegenstände schützen. Fotos, Rechnungen und Listen schützen den Versicherungsanspruch. Denn nur was dokumentiert ist, lässt sich später auch nachvollziehen. Besonders bei hochwertigen Gegenständen lohnt es sich daher, regelmäßig eine einfache Dokumentation anzulegen:

  • Fotos von Schmuck, Uhren und Technik
  • Rechnungen digital speichern
  • Wertgegenstände in einer Liste erfassen
  • größere Neuanschaffungen der Versicherung melden
  • Versicherungssummen regelmäßig überprüfen lassen

Das klingt aufwendig, ist in der Praxis aber oft in wenigen Minuten erledigt – und kann im Ernstfall mehrere zehntausend Euro Unterschied ausmachen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den viele unterschätzen: die Preisentwicklung der letzten Jahre. Möbel, Elektronik, Fahrräder oder Küchen kosten heute teilweise deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Selbst Kunden mit ursprünglich passenden Versicherungssummen können dadurch heute unbewusst unterversichert sein.

Besonders kritisch wird es bei sogenannten Wertsachen. Hier gelten in vielen Hausratversicherungen zusätzliche Entschädigungsgrenzen. Wer beispielsweise Schmuck oder Uhren im fünfstelligen Bereich besitzt, sollte unbedingt prüfen lassen, ob diese Werte tatsächlich ausreichend abgesichert sind und welche Voraussetzungen – etwa ein bestimmter Tresor – der Versicherer verlangt.

Mein Rat aus der Praxis:
Einmal im Jahr mit dem Handy durchs Haus gehen, Fotos machen, größere Anschaffungen notieren und die Versicherungssumme kurz überprüfen. Mehr Aufwand braucht es oft gar nicht. Die Bilder aber bitte außerhalb der Wohnung oder in einer Cloud lagern.

Denn die meisten Probleme entstehen nicht beim Einbruch selbst, sondern erst danach – wenn plötzlich festgestellt wird, dass der tatsächliche Wert des Hausrats nie richtig abgesichert war.

Oder einfacher gesagt:
Nicht der schönste Tresor entscheidet im Schadenfall, sondern die beste Dokumentation.

Ihr
Wolfgang Ruch

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