Im Jahr 2001 gab es eine große Rentenreform und die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung wurden spürbar reduziert. Als Ausgleich für diese Versorgungslücke wurde die Riester-Rente eingeführt. Ziel war es vor allem, Geringverdiener und Familien mit Kindern beim privaten Vermögensaufbau für das Alter zu unterstützen.
Entstanden ist allerdings leider auch ein echtes Verwaltungsmonster mit komplizierten Förderregeln und einer Fördersystematik, die bis heute eine regelmäßige Überprüfung von Einkommen und Beiträgen erforderlich macht.
Genau diese Schwächen wollte die Politik nun mit dem neuen Altersvorsorgegesetz beseitigen, das am Freitag den Bundesrat passiert hat und zum 01.01.2027 in Kraft treten soll.
Die klassische Riester-Rente bekommt mit dem neuen Altersvorsorgedepot einen Nachfolger, der vieles anders machen soll. Mehr Flexibilität, geringere Kosten, mehr Aktienanlage und eine deutlich einfachere Förderung – zumindest auf dem Papier klingt das für viele Verbraucher zunächst einmal sehr interessant.
Gleichzeitig muss man aber auch ganz klar sagen: Stand heute gibt es noch keine fertigen Produkte, keine endgültigen Verwaltungsvorschriften und viele praktische Fragen sind weiterhin offen.
In den letzten Tagen wurde ich bereits mehrfach gefragt, ob man bestehende Riester-Verträge kündigen sollte oder ob das neue Altersvorsorgedepot automatisch die bessere Lösung ist. Die ehrliche Antwort lautet: Das kann man heute noch gar nicht pauschal beurteilen.
Denn wie so oft im Finanzbereich wird es keine Lösung geben, die für alle Menschen gleichermaßen optimal ist.
Für manche Kunden dürfte das neue Altersvorsorgedepot tatsächlich sehr attraktiv werden. Vor allem jüngere Menschen mit langer Laufzeit könnten profitieren, wenn das Geld künftig stärker am Aktienmarkt investiert wird. Gerade über viele Jahrzehnte kann der Zinseszinseffekt erhebliche Vermögenswerte entstehen lassen.
Auf der anderen Seite sollte man bestehende Verträge aber keinesfalls vorschnell schlechtreden. Viele ältere Riester-Verträge enthalten Garantien, höhere Rechnungszinsen oder besondere Vertragsbedingungen, die man heute in dieser Form vermutlich nicht mehr bekommen würde.
Genau deshalb wird man jeden einzelnen Vertrag individuell prüfen müssen.
Man merkt also: Das Thema ist hochspannend, aber noch längst nicht final geklärt.
Ich werde die Entwicklung in den kommenden Monaten deshalb sehr genau beobachten. Sobald die ersten konkreten Produkte, Kostenmodelle und steuerlichen Detailregelungen vorliegen, werde ich meine Kunden selbstverständlich aktiv informieren.
Vermutlich wird der Herbst 2026 der Zeitpunkt sein, an dem man erstmals ernsthaft rechnen und vergleichen kann.
Bis dahin gilt aus meiner Sicht vor allem eines: Ruhe bewahren und keine vorschnellen Entscheidungen treffen.
Ihr
Wolfgang Ruch