Wenn es um Immobilienfinanzierung geht, denken viele zunächst an zwei Dinge: Zinssatz und Eigenkapital. Beides ist wichtig – aber es gibt noch einen dritten Hebel, der häufig unterschätzt wird und am Ende schnell mehrere tausend Euro Unterschied ausmachen kann: staatliche Förderung. Besonders relevant sind dabei die Programme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Diese können eine Finanzierung günstiger machen, sie können Spielräume schaffen – und manchmal entscheiden sie sogar darüber, ob ein Vorhaben überhaupt realistisch umsetzbar ist.
Gleichzeitig wirkt die KfW-Welt auf viele Menschen wie ein Förderdschungel: viele Programme, viele Nummern, viele Voraussetzungen. Genau deshalb stelle ich Ihnen hier die wichtigsten KfW-Förderprogramme vor – verständlich erklärt und so, dass Sie schnell einschätzen können: Welche Programme passen zu Ihrem Vorhaben? Welche Bedingungen müssen Sie erfüllen? Und worauf sollten Sie in der Praxis besonders achten?
KfW 124 – Der „Standardbaustein“ für fast alle Käufer
Beginnen wir mit dem Programm, das man in nahezu jeder Finanzierung einmal prüfen sollte: KfW 124 (Wohneigentumsprogramm). Dieses Programm ist so etwas wie das solide Grundmodell der KfW und eignet sich für viele Vorhaben, weil es sehr flexibel ist.
Sie können damit Wohneigentum kaufen oder bauen, egal ob es sich um eine Wohnung oder ein Haus handelt.
Die maximale Kreditsumme beträgt bis zu 100.000 Euro. Der Zinssatz liegt meist nicht dramatisch unter den eigentlichen Bankzinsen.
Wichtig ist allerdings ein Punkt, den viele erst später merken: KfW 124 hat immer einen festen Zinssatz, unabhängig davon, wie viel Eigenkapital Sie einbringen. Wenn Sie also sehr viel Eigenkapital einsetzen und dadurch bei der Bank einen sehr guten Beleihungsauslauf (z. B. unter 60 %) erreichen, kann es passieren, dass der normale Bankzins plötzlich günstiger ist als der KfW-Zins. Dann lohnt sich KfW 124 nicht zwingend.
Kurz gesagt: KfW 124 ist kein Automatismus, sondern ein Baustein, den man in der Gesamtfinanzierung sinnvoll abwägen sollte.
KfW 297/298 – Klimafreundlicher Neubau (Effizienzhaus 55 oder 40)
Richtig spannend wird es bei den Programmen für energieeffizientes Bauen. Hier spielen die KfW-Programme 297/298 eine zentrale Rolle. Diese Förderung richtet sich an alle, die neu bauen oder einen Neubau kaufen möchten und dabei ein bestimmtes energetisches Niveau erreichen.
Entscheidend ist: Der Neubau muss ein Effizienzhaus 55 oder Effizienzhaus 40 sein. Je besser der Standard, desto attraktiver sind in der Regel die Konditionen.
Die Kreditsumme kann bei Erfüllung aller Voraussetzungen bei bis zu 150.000 Euro liegen.
Der wichtigste Praxis-Hinweis dazu: Hohe Effizienz ist großartig – aber sie kostet. Ein Effizienzhaus 40 ist in der Umsetzung häufig spürbar teurer als Effizienzhaus 55. Zusätzlich kann für die maximale Förderung ein Nachhaltigkeitszertifikat erforderlich sein, das ebenfalls Kosten verursacht. Deshalb gilt hier immer: Förderung ist gut – aber sie muss sauber durchgerechnet werden, damit am Ende nicht die Mehrkosten größer sind als der finanzielle Nutzen.
KfW 296 – Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment (KNN)
Ein Programm, das auf den ersten Blick wie ein echter Geheimtipp wirkt, ist KfW 296, der „Klimafreundliche Neubau im Niedrigpreissegment“ (kurz KNN).
Der Hauptgrund: Die Konditionen sind extrem günstig – der Zinssatz kann bei 0,01 % liegen, also praktisch zinsfrei. Die Kreditsumme beträgt bis zu 100.000 Euro.
Allerdings ist dieses Programm an sehr enge Vorgaben gebunden, insbesondere bei der Wohnfläche. Für eine Vierzimmerwohnung liegt die Obergrenze bei 85 m², bei rollstuhlgerechter Ausstattung bei 100 m². Damit passt es vor allem für Haushalte, die bewusst kompakt planen – für viele Familien ist es schlicht zu klein.
KfW 300 – Wohneigentum für Familien (Neubau)
Für Familien im Neubau ist das Programm KfW 300 (Wohneigentum für Familien) eines der wichtigsten Förderinstrumente. Wenn dieses Programm passt, kann es die Finanzierung spürbar erleichtern.
Voraussetzung ist, dass Sie eine bestimmte Kinderzahl im Haushalt haben und dass Ihr zu versteuerndes Haushaltseinkommen innerhalb festgelegter Grenzen bleibt. Außerdem muss es sich um einen Neubau im Effizienzhaus-40-Standard handeln.
Die Kreditsummen bewegen sich in einem Bereich von 170.000 Euro bis 270.000 Euro, abhängig von Kinderzahl, Einkommen und ggf. zusätzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen.
Wichtig ist: Das Programm ist sehr attraktiv, aber nicht „nebenbei“ zu bekommen – weil Effizienzhaus 40 im Neubau eine gewisse Bauqualität und Planung erfordert. Dafür kann es sich finanziell sehr lohnen.
KfW 308 – Für Familien: Bestand kaufen und energetisch sanieren
Viele Menschen wünschen sich kein Neubauprojekt, sondern möchten ein Haus aus dem Bestand kaufen und dann Schritt für Schritt sanieren. Genau dafür gibt es ein besonders praxisnahes Programm: KfW 308.
Dieses Programm richtet sich an Familien, die eine Bestandsimmobilie erwerben, die energetisch eher schwach ist. Typischerweise betrifft das Immobilien mit den Effizienzklassen F, G oder H.
Zusätzlich müssen Sanierungsmaßnahmen innerhalb eines Zeitrahmens umgesetzt werden – hier gilt ein Zeitraum von 4,5 Jahren. Das Ziel ist, dass die Immobilie nach Sanierung einen deutlich besseren Standard erreicht. Als Mindestziel genügt mittlerweile Effizienzhaus 85 EE (früher war die Hürde höher).
„EE“ bedeutet: Erneuerbare Energien spielen eine klare Rolle. Mindestens 65 % des Energiebedarfs sollen aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.
Als Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern kann dabei Kredite bis 125.000 Euro erhalten, bei sehr attraktiven Konditionen – zum Beispiel bei rund 0,99 % Zins (je nach Laufzeit/Zinsbindung).
Mein Fazit: KfW ist kein Extra – es ist Teil einer guten Finanzierungsstrategie
Eine Immobilienfinanzierung ist kein „Preisvergleich“, sondern ein Konzept. Und genau deshalb sollten KfW-Programme nicht erst am Ende geprüft werden, wenn die Finanzierung eigentlich schon steht. Förderprogramme gehören von Anfang an auf den Tisch, weil sie Einfluss haben auf:
- die monatliche Belastung,
- die Laufzeitstruktur,
- den Eigenkapitalbedarf,
- und die langfristige Stabilität des Finanzierungskonzeptes.
Gerade bei Familien oder energetischen Projekten kann KfW-Förderung den entscheidenden Unterschied machen. Wichtig ist nur, dass man nicht blind „Programme sammelt“, sondern sinnvoll baut: Förderbausteine dort einsetzen, wo sie wirklich wirken.
Der große Nachteil: Nicht jede Bank bietet alle KfW Förderprogramme an. Und so kann es sein, dass Bank, die als Baustein KfW Förderprogramme anbietet, trotzdem noch teurer ist, als eine Bank die diese nicht einbindet. Es ist in jedem Fall immer eine Einzelfallbetrachtung.
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Ihr
Wolfgang Ruch
Hinweis: Bei den Förderprogrammen der KfW gilt der Rechtsstand Jan 2026 – Die Bedingungen können sich jederzeit ändern.